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Berlin

Berlin: BerlKönig steht offenbar vor dem Aus

Veröffentlicht am 7. März 2020 | Lesedauer: 4 Minuten

Bereits seit Ende 2018 betriebt die BVG in Berlin zusammen mit dem Partner ViaVan den Ridesharing-Dienst BerlKönig, der von zahlreichen Berlinern auch immer wieder gerne genutzt wird. Nun steht der Dienst aber offenbar vor dem Aus. Grund dafür ist, dass der Berliner Senat den Dienst nicht mehr weiter finanziell unterstützen will.

Das kommt allerdings relativ überraschend. Denn eigentlich ist das Pilotprojekt bis zum Jahre 2022 vorgesehen gewesen und auch so lange genehmigt. Doch die SPD und die Linke beschlossen nun bereits in ihren Sitzungen, dass sie gegen eine weitere Finanzierung des Dienstes sind. Die Grünen teilen diese Meinung zwar ebenfalls, haben dazu allerdings noch keinen endgültigen Beschluss.

Sollte es wirklich soweit kommen und die weitere Finanzierung von BerlKönig ausbleiben, muss der Dienst wohl Ende April eingestellt werden. Denn dann läuft der Vertrag mit ViaVan aus, die die Fahrzeuge und das Personal für BerlKönig bereitstellen. Für einen weiteren Betrieb bis zum geplanten Ende des Pilotprojektes im Jahre 2022 wären hingegen weitere 43 Millionen Euro im Jahr notwendig.

Geplant war außerdem eine Ausweitung des Angebotes. Denn bisher ist BerlKönig lediglich in den Bezirken Neukölln, Kreuzberg, Mitte, Friedrichshain und Prenzlauer Berg verfügbar. Angedacht war aber eben auch eine Ausweitung auf das übrige Stadtgebiet, um mit BerlKönig auch das Nahverkehrsangebot in Randlagen zu ergänzen.

Aus der Koalititonsfraktion war jedoch zu hören, dass man die Kosten dafür nicht tragen wolle. Zudem müsse man bei der Freigabe weiterer Millionen für BerlKönig an anderer Stelle im Nahverkehr sparen, sodass das Geld dann beispielsweise für U-Bahn-Projekte oder einen Ausbau des Tram-Netzes fehlen würde.

Trotzdem spricht sich zumindest die SPD nicht grundsätzlich gegen das Angebot des BerlKönigs aus und geht sogar davon aus, dass das Angebot bis zum Ende der geplanten Testphase weiterlaufen wird. So solle die Senatsverwaltung und die BVG noch einmal mit dem Partner ViaVan sprechen, der bisher die Kosten für das Personal und die Fahrzeuge trägt. ViaVan selbst hat somit bereits erheblich in das Projekt investiert und will sich auch weiter dafür einsetzen. So will man auch eine nachhaltige und langfristige Lösung für den weiteren Betrieb des zusätzlichen Nahverkehrsangebotes finden. Ob das allerdings gelingt, ist noch offen. Daher verfolgt ViaVan, die zur Hälfte zu Daimler gehören, die Debatte um die Finanzierung auch mit großer Sorge.

Doch politisch scheint es beim BerlKönig sehr gespaltene Meinungen zu geben. So sieht die FDP das Aus sehr kritisch, da man in dem Modellprojekt eine gute Chance sehe, um das ÖPNV-Angebot gerade in den Zeiten mit weniger Bussen deutlich zu verbessern. Die Linke lehnt den Sharing-Dienst hingegen grundsätzlich ab. So würden die Kosten des Betriebs auch „in keinem angemessenen Verhältnis“ zu der erbrachten Leistung stehen.

Bei den Kunden kommt der BerlKönig aber offenbar sehr gut an. Sie können über eine App ihre gewünschte Fahrt buchen. Im Hintergrund werden dann Kunden mit ähnlichen Fahrtwünschen und Routen kombiniert und nacheinander eingesammelt, sodass sich mehrere Kunden mit ähnlichen Zielen das Fahrzeug teilen. Dadurch liegt der Preis rund ein Drittel unter den Kosten für ein Taxi. Allerdings gibt es den BerlKönig bisher eben nur zu bestimmten Zeiten und nur im Osten der Innenstadt.

Eine Einstellung des Dienstes wäre aber auf jeden Fall ein herber Rückschlag für alle Beteiligten. Daher dürfte es noch spannend werden, ob es wirklich so weit kommen wird. Möglich ist auch weiterhin, dass sich der Senat durch den aufgebauten Druck lediglich in eine bessere Verhandlungsposition bringen will, um die Kosten für den weiteren Betrieb zu drücken. Derzeit sieht es nach den politischen Aussagen der verschiedenen Parteien jedoch tatsächlich so aus, dass der BerlKönig ab Ende April nicht mehr auf den Straßen von Berlin anzutreffen sein wird.

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