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Deutsche Bahn startet Investitionsoffensive in Hamburg

Das Bahn-Netz in und um Hamburg gilt als eines der am stärksten belastetsten Netze in Deutschland. So gilt auch der Hauptbahnhof schon seit einigen Jahren als komplett überlastet und ist an den Grenzen seiner Aufnahmefähigkeit angekommen. In den kommen Jahren will die Deutsche Bahn daher massiv in die Infrastruktur im Raum Hamburg investieren. Bis 2040 sollen es rund neun Milliarden Euro sein, die in verschieden Baumaßnahmen im Hamburger Raum fließen sollen.

Diese Pläne stellte nun Frank Limprecht, Leiter der DB-Abteilung Großprojekte Nord, im Kieler Landtag vor. So sollen durch die Investitionen Engpässe aufgelöst und neue Kapazitäten geschaffen werden. Insgesamt besteht die Liste der Maßnahmen aus 15 Punkten. Darunter befinden sich Projekte, die schon im Bau sind, aber auch Projekte, die noch nicht einmal im Entwicklungsstadium sind. Zudem sind die meisten Maßnahmen schon lange im Gespräch. Wirkliche Neuerungen sind hingegen nicht dabei.

Viele der Projekte werden zudem noch viele Jahre dauern bis sie fertiggestellt sein werden. Einige Projekte werden wahrscheinlich erst deutlich nach 2030 fertig. Klar ist allerdings, dass die Bahn leistungsfähiger werden muss. Immerhin sollen in Zukunft immer mehr Fahrgäste die Bahn nutzen. Dazu ist auch ein Ausbau notwendig.

Das tut man beispielsweise mit dem Bau der neuen S-Bahn-Linie S4. Dabei sollen in diesem Jahr die Bauarbeiten starten. Die Fertigstellung ist für 2028 geplant und die neue Linie zwischen Hamburg und Ahrensburg mit einer Fortführung nach Bad Oldesloe soll rund 1,8 Milliarden Euro kosten. Diese Maßnahme wird als eine der wichtigsten Maßnahmen bezeichnet. Denn rund 250.000 Menschen sollen davon profitieren.

Im ersten Schritt soll die S4 jedoch nur zwischen Bad Oldesloe und Hamburg Altona verkehren. Als Idee befindet sich unter den Maßnahmen jedoch auch eine Fortführung der S4 bis Elmshorn. Damit könnte der Regionalverkehr aus Elmshorn auf die S-Bahn verlegt werden und eine engere Taktung angeboten werden als bisher. Dafür ist jedoch ein Überwerfungsbauwerk nördlich des Bahnhofes in Altona notwendig. Die Kosten dafür sind noch nicht bekannt und die Idee auch noch nicht genauer durchgeplant.

Genauere Planungen gibt es hingegen schon für die Erweiterung des Hauptbahnhofes in Hamburg. So sollen dort ein weiterer Bahnsteig und neue Treppen zu den Bahnsteigen gebaut werden. Genauere Pläne für einen wirklichen und umfassenden Umbau gibt es hingegen nicht. Die Investition dafür soll jedoch in den neun Milliarden Euro enthalten sein.

Dafür soll es auf der Strecke nach Harburg einige Neuerungen geben. So ist eine neue Verbindungskurve in Harburg geplant, die man sich 300 Millionen Euro kosten lassen will. Dadurch sollen Fahrzeiten verkürzt werden. Die Planungen dafür haben jedoch gerade erst begonnen. Zudem soll aber südlich von Harburg im Bereich von Wilhelmsburg ein neues Kreuzungsbauwerk entstehen. Dieses soll bei der Entlastung des Personenverkehrs helfen. Das Bauwerk wird die Güterumgehungsbahn mit der Güterverkehrsstrecke Hafen Hamburg – Maschen verbinden und soll voraussichtlich 2029 in Betrieb genommen werden.

In Meckelfeld soll zudem eine weitere Gleisbrücke entstehen. Diese soll 145 Millionen Euro kosten und 2026 fertig sein. Sie soll dann bei den Ein- und Ausfahrten in den Rangierbahnhof Maschen helfen und diese vereinfachen. Im Bereich Wandsbek soll zudem für etwa 70 Millionen Euro eine neue Wendeanlage enstehen.

Hinzu kommt auch noch eine Entlastung des Nahverkehrs in Richtung Büchen durch den Bau eines weiteren Gleises im Bereich Rothenburgsort. Dieses soll insgesamt etwa 1,13 Kilometer lang sein und soll die Kapazität erhöhen. Das lässt man sich dann 21 Millionen Euro kosten. Genauere Planungen für diese Maßnahme haben jedoch noch nicht begonnen.

Etwas mehr Geld will die Deutsche Bahn in die Erweiterung des Bahnhofes in Elmshorn stecken. So plant man mit 40 Millionen Euro für den Bau eines zusätzlichen Bahnsteiggleises. Dafür hat man bereits zwei Konzepte für die Umsetzung erarbeitet. Im Jahre 2029 könnte diese Maßnahme dann abgeschlossen sein.

Zusätzlich zu diesen Maßnahmen zählen auch noch die Verlegung des Bahnhofes in Altona, die Schienenanbindung des Belttunnels und zahlreiche kleinere Verbesserungen auf den Schienenwegen im Dreieck Hamburg-Hannover-Bremen in die Investitionssumme von den genannten neun Milliarden Euro hinein. Wirkliche Zeitpläne gibt es für diese Maßnahmen allerdings nicht.

Insgesamt ist es damit zwar positiv, dass die Bahn massiv in den Knoten Hamburg investieren will. Allerdings dauern alle bisherigen Pläne viel zu lange. Stattdessen müssen Fahrgäste noch viele Jahre mit der unbefriedigenden Situation leben. So ist es an vielen Stellen nicht vermittelbar, warum vergleichsweise kleine Maßnahmen ein Jahrzehnt dauern. Gerade dies sollte die Bahn angehen und einige Maßnahmen schneller umsetzen. Hinzu kommt, dass in den Plänen einige Maßnahmen fehlen, die bereits öffentlich diskutiert wurden. Ein Beispiel dafür wäre der angekündigte zweite S-Bahn-Tunnel.

Damit sind die vorgelegten Pläne der Deutschen Bahn zwar ein guter Schritt in die richtige Richtung, werden aber wohl nicht die vielen Probleme im Hamburger Netz lösen, sondern nur an einigen Stellen ein wenig nachbessern. Ein großer Wurf für eine deutliche Entspannung der Situation fehlt weiterhin.